Die Wildnis erleben – ein Abenteuer der besonderen Art

„Was ist das für ein Käfer? Kennst du diese Pflanze? Hast du das Rascheln gehört?“ Solche Fragen stellten wir uns drei Wochen lang im Juni 2018. Wir, die Werkrealschulklasse 5/6 der Hoffmannschule Wilhelmsdorf, tauschten den Schulranzen gegen minimalistisches Gepäck ein: Nur Säge, Messer, Wasser und Naturkunde-Nachschlagewerke sollten uns begleiten.

Mit unserer Klassenlehrerin Susanne Valotta und dem ausgebildeten Wildnispädagogen Boris Schlegel folgten wir den Spuren der Naturvölker. Damit begann eine abenteuerliche Reise nicht nur in den Wald, sondern zu uns selbst. Rituale der Urvölker, Feuer machen mit Feuerstrahl und Bow Drill-Set, Stöcke schnitzen, Stockbrot zubereiten, schleichen, Vogelstimmen kennenlernen, Tierspuren entdecken und verfolgen sowie Pflanzenarten bestimmen – das alles prägte unseren Tagesablauf. Ganz allmählich schärften sich unsere Sinne: Wir nahmen bisher unbekannte Geräusche wahr, atmeten die frische Luft, lauschten dem sanften Wiegen der Bäume und beobachteten unterschiedlichste Insekten. Benjamin Walter ebenfalls Lehrer an der Hoffmannschule und Erlebnispädagoge, unterstützte uns zusätzlich mit Aufgaben, die unsere Gruppenbildung und Wahrnehmung förderten. Dabei machten wir Schüler ganz verschiedene Erfahrungen. Anfangs bemängelte ein Teilnehmer, dass im Wald „alles dreckig sei“ und „da so viele Tiere krabbeln.“ Doch diese Meinung legte sich schnell. Stattdessen trauten wir neugierigen Fünft- und Sechstklässler uns sogar zu fragen, ob wir auch einmal im Wald übernachten könnten.
„Die Wildnispädagogik lehrt uns das achtsame Leben in und mit der Natur und schließlich auch mit uns selbst“ – davon ist unsere Lehrerin Susanne Valotta überzeugt. Diese Erfahrung wollte sie und ihre Kollegen uns Schülern mit dem Wildnisprojekt ermöglichen. Ein Höhepunkt war die Übernachtung unter dem Sternenzelt. Mit Proviant, Isomatte und Schlafsack verbrachten wir mehr als 24 Stunden in der Natur. Das Erleben der Dämmerung, das Regenprasseln auf die Zeltplane und die Geräusche der Nacht waren eine besondere Erfahrung für uns Schüler, aber auch für die Lehrer. Wir können es kaum erwarten, wieder in die Wildnis zu gehen, um unser Wissen über die Natur zu erweitern und unsere Fertigkeiten zu vertiefen.

Das Projekt, das zunächst als pädagogischer Versuch durchgeführt wurde, war so erfolgreich, dass es künftig als fester Unterrichtsbaustein ins Profil der Hoffmannschule aufgenommen wird. Die nächste Wildnisaktion für die Klassen 5/6 oder Werkrealschule und der Förderschule ist für das Schuljahr 2018/19 geplant: Dann gehen alle Scüler einen ganzen Vormittag lang in den Wald. Wir danken Herrn Gebhard vom Hofladen in Zußdorf für die Nutzung seines Waldes sowie den Schulleitern Alexander Stickel und Jens Buchmüller und dem ganzen Kollegium der Hoffmannschule für ihre Unterstützung. Sie alle haben uns ermöglicht, dass diese drei Wildniswochen für uns zu einem besonderen Erlebnis wurden.

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