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Isolde und Gerhard Haag gehen in den Ruhestand

„Unser Herz schlägt für junge Menschen“

„Berührt und geflasht“ – mit diesem Gefühl erlebten Gerhard und Isolde Haag ihre Verabschiedung aus fast 40 Jahren diakonischem Dienst im Hoffmannhaus Wilhelmsdorf. Freunde, Weggefährten, Kolleginnen und Kollegen waren zahlreich gekommen, um den beiden Jugendhilfe-Pionieren ihren Dank und ihre Wertschätzung auszudrücken.

Berufen zu Hunger-Stillern und Friedens-Stiftern

Zum Auftakt versammelte man sich im Betsaal zum Dankgottesdienst – selbstverständlich für zwei Menschen, die ihren Weg nach Wilhelmsdorf und in die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen immer als Gottes Wegführung und persönliche Berufung verstanden haben. Pfarrer Johannes Luithle von der Evangelischen Brüdergemeinde in Korntal charakterisierte die Beiden in Anlehnung an St. Martin von Tours als leidenschaftliche Pädagogen, die eine echte „martinische“ Haltung gelebt haben: teilen, helfen, vom Ross heruntersteigen und da sein, wo’s zählt. „Jesus hat uns zwei starke Sätze mitgegeben: „Selig sind, die Hunger und Durst nach Gerechtigkeit haben“ und „Selig sind, die Frieden stiften.“ Zu Gerhard und Isolde Haag gewandt, führte er aus: „Ihr hattet selbst diesen Hunger und habt ihn bei anderen gespürt. Ihr habt fast 40 Jahre lang mitgeholfen, diesen Hunger zu stillen – gerade auch dann, wenn’s eng wurde, wenn Personal fehlte oder Finanzen knapp waren. Ihr habt vertraut, weitergemacht und Menschen Raum gegeben, die sonst keinen gehabt hätten. Ihr habt geteilt – Zeit, Kraft, euer Herz. Solche Menschen braucht unsere Welt - echte Friedensmacher, die keine klugen Sprüche machen, sondern hinsehen und zuhören, anpacken, teilen und heilen.“ Mit Blick auf den neuen Lebensabschnitt, „künftig ohne feste Arbeitszeiten und lange Fahrten nach Korntal“, betonte Pfarrer Luithle: „Manches wird sich jetzt für euch ändern. Was bleibt, ist eure Berufung. Daran haltet fest: Teilen. Heilen. Friedensmacher sein.“

Stets der Stadt Bestes gesucht

Beim anschließenden Empfang im Wilhelmsdorfer Bürgersaal fand Bürgermeisterin Sandra Flucht treffende Worte, um von kommunaler Seite ihren Dank an Ehepaar Haag zum Ausdruck zu bringen. „Als Wilhelmsdorfer wissen wir, wie wichtig es ist, dass auf moorigen Grund die Gründung stimmt. Sie beide haben das Hoffmannhaus und das Familienzentrum zu einem starken Pfeiler in der Kinder- und Jugendarbeit und in der Integrationsarbeit gemacht. Darauf sind wir alle sehr stolz. Was sie bewirkt haben, ist beispielhaft für viele, weil Sie immer mutig und pragmatisch vorangegangen sind, stets mit dem Ziel vor Augen, das "Beste für die Stadt zu suchen". Mit Leib und Seele haben sie ihr Leben und ihren Beruf gelebt für die Kinder und die ihnen anvertrauten Menschen, die Gemeinde und die gute Sache. Wenn wir Sie heute verabschieden, dann aus ihrem langjährigen Beruf – aber nicht aus ihrer Berufung. Ich bin sicher, dass ihre Spuren bleiben, auch dank des Fundaments, das sie gelegt haben und auf dem das Team weiter mutig weiter bauen kann. Deshalb sagen wir von Herzen „Danke für Ihr Lebenswerk. Danke für Ihren Herzblut-Einsatz. Danke für Ihr Vorangehen!“

Prägend für die Jugendhilfe-Landschaft

„Wenn heute zwei so bedeutende und tragende Persönlichkeiten des Hofmannshauses, aber auch in der Jugendhilfelandschaft des Landkreises Ravensburg zu verabschieden sind, fällt dies nicht leicht“, resümierte Michele Sforza, Leiter des Amtes für Kinder, Jugendliche und Familien im Landratsamt Ravensburg. „Unsere Begegnungen waren immer geprägt waren durch eine christliche Wertschätzung, selbst bei manchmal sehr unterschiedlichen Meinungen und Haltungen. Dafür danke ich ihnen ausdrücklich.

25 Jahre lang haben Sie beide die Tradition des Hofmannshauses bewahrt und zugleich mutig weiterentwickelt und hatten dabei immer die Mitarbeitenden im Blick. Herr Haag stand für Genauigkeit und Beharrlichkeit, Frau Haag war ein echter Wirbelwind und hat mit Kreativität und unermüdlichem Einsatz für Familien, Alleinerziehende und benachteiligte Kinder die Jugendhilfelandschaft nachhaltig bereichert. Durch Sie als Team ist hier Großes entstanden. Mein Dank gilt deshalb sowohl Ihnen beiden als auch allen Mitarbeitenden des Hofmannhauses für ihre tägliche, wertvolle Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien.“  

Starke Beziehungen tragen durch

Sichtlich bewegt führte Gerhard Haag der Festgesellschaft vor Augen, was ihn und seine Frau Isolde in den zurückliegenden Jahren geprägt hat. „Vor fast vier Jahrzehnten, kurz vor Abschluss unseres Studiums, wollten Isolde und ich in Wilhelmsdorf eigentlich nur unsere berufliche Reise starten. Dass die erste Station im Hoffmannhaus gleich zu unserer Lebensstation werden würde, hatten wir nicht geahnt. Aber schon damals war klar: Unser Herz schlägt für junge Menschen. So begann unser Weg 1986 im damaligen Kinderheim Hoffmannhaus – ein Weg voller Herausforderungen, Glauben, Freude und Begegnungen.

Heute sagen wir von Herzen „Danke“ den vielen Menschen, die diesen Weg geprägt haben: Unseren Kindern: Ihr habt das Leben auf dem Heimgelände von klein auf mitgelebt, mit allen schönen und anstrengenden Seiten. Allen Freunden und Wegbegleitern: Ohne die Gespräche mit euch, euren Rat und eure Gebete hätten wir viele Höhen und Tiefen kaum geschafft. Den Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen: Ihr seid der Kern des Hoffmannhauses. Wegen euch haben wir unser Bestes gegeben, und ihr habt uns verändert, motiviert, bereichert. Unseren Mitarbeitenden: Ihr seid das Herzstück. Leitung funktioniert nur mit starken und mutigen Teams. Danke für euer Engagement, eure Ideen, eure Ausdauer – und dass wir gemeinsam an scheinbar unlösbaren Aufgaben gewachsen sind. Der Verwaltung, Haustechnik, Schreinerei und allen, die täglich im Hintergrund den Laden am Laufen halten. Unsere „diakonische Familie“ in Korntal-Wilhelmsdorf: Danke für Vertrauen, Raum für Weiterentwicklung und gemeinsames Ringen um gute Wege. Den Partnern aus Kommune, Landkreis und Jugendhilfe, aus Schulen, Kitas, Suchthilfe, Berufsbildungswerk und allen Netzwerken: Danke für die Zusammenarbeit, den Austausch und das gemeinsame Tragen von Verantwortung. Den Kolleginnen und Kollegen der Diakonie auf regionaler und überregionaler Ebene: Ihr wart wichtige Sparringspartner, fachlich, menschlich, strategisch. Danke für dieses Miteinander.

Wenn Isolde und ich nach 25 Jahren Standortleitung und fast 40 Jahren im diakonischen Dienst zurückschauen, staunen wir voller Dankbarkeit, was sich entwickelt hat und wo wir mitgestalten konnten – auch wenn die finanziellen Grenzen oft eng waren. Unser innerer Kompass war immer darauf ausgerichtet, das „Beste für die Menschen und das Gemeinwesen zu suchen.“ Weil viele junge Menschen wegen ihrer Herkunft oder Lebenssituation schlechtere Chancen haben, braucht es Jugendhilfe. Damit die funktioniert, müssen öffentliche und freie Träger immer wieder zusammenfinden, gemeinsam planen und miteinander dafür kämpfen, dass Kinder und Jugendliche eine echte Lobby bekommen.“

Am Ende blickte Gerhard Haag nach vorn: „Wenn Isolde und ich jetzt aus der direkten Verantwortung gehen, wünschen wir uns von Herzen für euch, die bleiben, dass ihr auch in Zukunft tragfähige Partnerschaften und starke Netzwerke knüpft, damit junge Menschen und ihre Familien beste Chancen bekommen. Wir sagen herzlich „Danke“ allen, die diesen Weg mit uns gegangen sind, und wünschen euch Gottes Segen.“

Hohe Grüße aus Berlin

Als am Ende der Feier Diakonie-Geschäftsführer Andreas Wieland zum Mikro griff, hatte er statt einer weiteren eine kleine Überraschung mitgebracht: Aus einem großen Couvert zog er eine Urkunde, die der amtierende Präsident der Diakonie Deutschland, Rüdiger Schuch, eigens für Gerhard Haag als Dank für fast 40 Jahre diakonischen Dienst unterschrieben hatte. Auch wenn diese Zeit rein rechnerisch noch nicht ganz erreicht wurde, war das Engagement von Isolde und Gerhard Haag doch bis nach Berlin gedrungen. Somit wurde die Lebensleistung auch „von höchster diakonischer Stelle“ auf ungewöhnliche Weise, aber in durchaus angemessener Form gewürdigt.

Text: Gerd Sander, Diakonie Korntal-Wilhelmsdorf

Fotos: Manuela Seeber, Diakonie Korntal-Wilhelmsdorf

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Kontakt

Jugendhilfe Hoffmannhaus Wilhelmsdorf
Saalplatz 14
88271 Wilhelmsdorf

Telefon 07503 / 203-0
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